altes Kloster Das erste Waisenhaus (Klösterchen), 1895
Vorläufer des späteren Kinderheims

Sprengung altes Kloster Sprengung des alten Klosters, 1970

Häuser des Kinderdorfes Das heutige Kinderdorf liegt in einem weitläufigen, parkähnlichen Gelände

Geschichte

Ein kurzer Streifzug durch
die Geschichte des Kinderdorfes

Leidgensche Stiftung

Das St. Heriberts-Stift, das jetzige Kinder- und Jugenddorf St. Heribert, geht in seinen Ursprüngen auf eine Stiftung an die katholische Pfarrgemeinde zurück. Frau Maria Leidgen, eine Leichlinger Kauffrau, vererbte der Pfarrgemeinde einen Geldbetrag zur Errichtung eines katholischen Krankenhauses.
Hintergrund war die leidvolle Erfahrung eigener Krankheit und der Wunsch, anderen Kranken in ihrem Leiden zu helfen. Bis dieses Krankenhaus errichtet werden konnte, sollten die Zinsen für ambulante Krankenpflege verwandt werden.

Der heilige St. Heribert

Der Name des Stifts geht auf den heiligen Heribert (970 - 1021) zurück, der von 999 - 1021 Bischof von Köln war. Besondere Verdienste erwarb er sich durch seine Armen- und Krankenpflege, der er noch zu seinen Lebzeiten seine Einkünfte und sein gesamtes Vermögen vermachte.
Der damalige Leichlinger Pfarrer Joesten erwirkte die Niederlassung von Ordensschwestern (Franziskanerinnen aus Olpe) und erweiterte deren Arbeitsbereich, da aus der ambulanten Krankenpflege allein der Unterhalt der Schwestern nicht bestritten werden konnte.

Heribert-Stift nach Umbau   Heribert-Stift Südansicht
St. Heribert-Stift nach dem Umbau, ca. 1910

1895 — Gründung “Heribert-Stift”

Am wurde 14.12.1894 die kirchliche Genehmigung zur Niederlassung der Schwestern “zum Zwecke der Ausübung der ambulanten Krankenpflege sowie Pflege und Erziehung verwaister und verlassener Kinder katholischer Konfession sowie der Leitung einer Handarbeitsschule und Kinderbewahrschule für Mädchen katholischer Konfession in nicht mehr schulpflichtigem Alter” erteilt.
Die staatliche Genehmigung erfolgte am 10.08.1895, so dass nach der Errichtung des Klosters am 04.12.1895 die Arbeit aufgenommen wurde.

Schon bald erwiesen sich die Räumlichkeiten des Klosters als nicht ausreichend, so dass parallel zum Neubau der neuen Pfarrkirche in Leichlingen (1903), das “Heribert-Stift” nach den Plänen von Herrn Architekt Cremer aus Köln neu, bzw. umgebaut wurde.

Ständige Erweiterungen

Das “Kloster” wurde so erweitert, dass Raum für ca. 120 Kinder und Jugendliche geschaffen wurde. Das St. Heribert-Stift kaufte mit Mitteln der Leidgenschen Krankenpflegestiftung ca. 30 Morgen Weide- und Ackerland am Johannisberg an, die es selbst bewirtschaftete, so dass sich das Kloster selbst versorgen konnte.
Ergänzungen erfuhr das Stift später durch einen zusätzlichen Anbau, in dem Kellerräume, Bäckerei sowie Kapelle untergebracht waren. Die Finanzierung erfolgte aus den Erlösen der Leidgenschen Stiftung bzw. einem Pflegegeldbetrag, der an das Heribert-Stift gezahlt wurde (z.B. 2,50 Mark täglich im Jahre 1921). Häufig waren jedoch die Ordensschwestern darauf angewiesen, über Spenden und zusätzliche Gelder den Betrieb aufrecht zu erhalten (besonders in Zeiten der Rezession um 1925 sowie nach den beiden Weltkriegen).

1970 — Gründung des Kinder- und Jugenddorfes

Die Zweckbestimmung des Heribert-Stifts änderte sich im Laufe der Jahrzehnte hin von der Waisenanstalt zu einer Jugendhilfeeinrichtung, die aber den Anforderungen neuzeitlicher pädagogischer Maßstäbe nur bedingt gerecht werden konnte. Schlafsäle und große Gemeinschaftsräume begründeten die Notwendigkeit eines Neubaus, wobei die Kinderdorfstruktur Grundlage der Überlegungen war und in dem späteren Neubau 1970 auf dem Johannisberg verwirklicht wurde. Einzelhäuser mit angeschlossenen Versorgungseinrichtungen schufen Raum für Individualität.

Kinderdorfansicht 1970
Ansicht des Kinderdorfes, 1970
 

Das alte Kloster musste 1970 einer Wohnsiedlung weichen und wurde gesprengt. Das neu erbaute Kinder- und Jugenddorf St. Heribert übernahm die zur damaligen Zeit 120 Kinder in 8 separaten Gruppenhäusern, die von Ordensschwestern geführt wurden.

Zunehmende Fachlichkeit und Professionalisierung

Auch das Kinder- und Jugenddorf St. Heribert, mit den besseren Bedingungen, war Änderungen unterworfen, die u. a. geprägt waren durch veränderte Aufnahme- und Betreuungsbedingungen innerhalb des Kinderdorfes (zunehmende Fachlichkeit und Professionalisierung, Rückzug der Schwestern aus der pädagogischen Arbeit, Änderung pädagogischer Prozesse, Einführung von Wechseldienstgruppen und weiteren Betreuungsformen).

Familienorientierung

Ein wesentlicher Einschnitt geschah in dem Jahr 1984 durch den Weggang der Olpener Franziskanerinnen. 1987 wurde aufgrund der veränderten Belegungssituation die Familienorientierung, die mit dem Neubau 1970 angestrebt wurde, wieder aufgegriffen und in intensiven Lebensgemeinschaften (Kinderdorffamilien) innerhalb und außerhalb des Kinderdorfes umgesetzt. Das Kinderdorf orientierte sich an den wechselnden Anforderungen der Jugendhilfe und veränderte den pädagogischen und psychologischen Bereich entsprechend (Fachberatung, Supervision, psychologische Begleitung, Entwicklungsförderung).

Kinderdorfansicht heute
Ansicht des Kinderdorfes, heute
 

Heute ist das Kinder- und Jugenddorf St. Heribert eine differenzierte Jugendhilfeeinrichtung, die in verschiedenen Betreuungsformen 52 Kindern, Jugendlichen und Heranwachsenden dauerhaft oder auf Zeit ein Zuhause bietet.

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