Infos aus dem Kinder- und Jugenddorf

Die empfohlenen und bereits vorgeschriebenen Maßnahmen zur Regulierung und Eingrenzung der Corona Infektionen haben bei uns weiterhin Bestand. Wir haben bereits frühzeit Umgangsregeln aufgestellt, was sich bisher als gut und durchführbar erwiesen hat. Besonders unseren Kindern und Jugendlichen und Mitarbeiter*innen ein Danke, dass dies so gut umgesetzt wurde.
Und die Situation, so bedrohlich sie für einige wirken mag und Ängste auslöst, hat bei uns zu besonderen Situationen geführt. So finden aktuell z.B. die Teambesprechungen mit Heim-, Erziehungsleitung und Psychologinnen sowie Hilfeplangespräche in unserer Kapelle statt.

Kapelle Aussenansicht  HPG in der Kapelle

So erfährt unsere oft in einem „Dornröschenschlaf“ verharrende Kapelle eine Aufwertung, ein Raum der Ruhe und der Besinnung, in dem wir gut über Kinder, Jugendliche und die allgemeine Gruppensituation nachdenken können. Sie erhält eine wichtige Funktion. Sie schafft Nähe und den nötigen Abstand vom Alltag (und natürlich auch die vom Arbeitsschutz geforderte räumliche Distanz bei den Gesprächen.)

Da die Wohngruppen für Außenstehende nicht betreten werden dürfen, stellen wir für die Besuchskontakte einen Besuchs-Container mit den notwendigen Desinfektionsmaßnahmen zur Verfügung. Zusätzlich gibt es ausgewiesene Flächen für die Besuche (bei schönem Wetter).

Besuchs-Container 1

Auch die Bezogenheit der Wohngruppen auf sich als Gemeinschaft schafft neue Möglichkeiten der Begegnung untereinander. Das komplette Zurückfahren von äußeren Reizen und Ablenkungen schafft Raum und Zeit für gemeinsames Tun, seien es alltägliche Dinge wie die Erledigung der Hausaufgaben (Tagesstruktur), dem gemeinsamen Kochen und Backen, den Überlegungen zur Freizeitbeschäftigung wie dem Spielen, Klönen, Zusammensitzen und kleineren sportlichen Betätigungen.

„Die Erzieher haben viel mehr Zeit für uns“ ist ein oft gehörter Satz (das gilt natürlich im Besonderen für die Päd. Mitarbeiter*innen.) Aber, auch die Kinder und Jugendlichen haben mehr Zeit für die Erzieher – es entfällt das mittlerweile leistungsmäßig hochfrequente Leben mit Schule, Therapien, Vereinen, Förderungen intern und extern und sogar die Besuche bei oder von Eltern bzw. Sorgeberechtigten.

Es scheint so, als ob gerade das Zurückfahren auf „Null“, das damit verbundene „Atemholen“, die „verordnete Ruhe“, zu einer neuen, nicht mehr gekannten Qualität pädagogischer Arbeit führt. Es wächst mehr Nähe, alle sind wechselseitig nicht nur im Blick, sondern durch die intensivere Anwesenheit aller stärker auf sich bezogen.

Es könnte die Schlussfolgerung gezogen werden: Die geforderte Geschwindigkeit erzieherischer Hilfen, der ständige Zeitdruck und dauernde Rechtfertigung pädagogischer Handlungen, behindert das Wachsen von Nähe und eine für die pädagogische Arbeit notwendige intensive Beziehungsarbeit. (Wäre ein gutes Thema für eine Masterarbeit.) Aber ich wollte nicht pädagogisieren, sondern nur Anregungen geben, auch darüber nachzudenken.

Und ich wollte noch einmal Danke sagen an die, die uns in dieser besonderen Zeit unterstützen. Sei es durch Spiele, Mundschutz, Spenden und gute Wünsche. Bleiben Sie gesund. Und denken Sie daran: Nähe ist keine Frage von Distanz.              Egon Graf

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Dreieck   Bilder von den Baumaßnahmen im Kinderdorf